Pressemitteilung: Chance des Lebens genutzt

March-Anzeiger vom 28.08.2009

Im Leben bekommt jeder seine Chancen. Simon Kälin aus Altendorf hat sie genutzt. Obwohl er gegen grosse Lernschwierigkeiten kämpfte, hat er jetzt seine Anlehre als Fahrzeugwart Baumaschinen bei der Firma Hagedorn AG in Pfäffikon abgeschlossen.


 

Altendorf. – Ich kam unter keinem guten Stern auf die Welt. Familiäre Probleme führten nach einer langen Leidenszeit dazu, dass ich mit neun Jahren in eine Pflegefamilie kam. Fortan kümmerten sich Helena Marty und Kari Fleischmann aus Altendorf um mich. Meine erste schulische Abklärung war für mich nicht förderlich. Ich wurde als geistig behindert eingestuft und dementsprechend gefördert. Sehr schnell merkten meine Pflegeeltern aber, dass ich mich nicht entsprechend meiner Fähigkeiten entwickeln konnte, weil mir die angemessene Förderung fehlte. Sie forderten eine zweite und – hartnäckig – eine dritte Abklärung. Diese wurde ausserkantonal durchführt und bestätigte meinen Pflegeeltern und der mittlerweile eingesetzten Vormundin: Simon kann mehr leisten, und er will lernen.

Eine Schule als Glücksfall
Mit zwölf Jahren konnte ich erst auf 20 zählen. Ich aber wollte unbedingt lesen, schreiben und rechnen lernen. Da ging es langsam aber sicher bergauf. Nebst Einzelunterricht, in dem ich sofort Fortschritte machte, vor allem in Mathematik, erwies sich die Schule Momo von Annemarie Reich in Uster als Glücksfall für mich. An dieser Schule, eine Schule als soziale Gemeinschaft, werden Kinder unterrichtet, die zu schwach für die Volksschule und zu gut für die Heilpädagogische Schule sind. Doch mein grosses Problem war die Sprache, da hatte ich grosse Defizite. Ich konnte im Alter von neuen Jahren noch kein zusammenhängenden Satz sprechen.

Habe früh gelernt, mitanzupacken
Mit 14 und 15 Jahren ging’s ans Schnuppern. Meine Pflegeeltern ermunterten mich und sagten: „Da du keine schulischen Leistungen zeigen kannst, musst du dich als Person zeigen.“ Ich hatte in diesem Alter bereits einen Traumberuf: Ich wollte Landmaschinenmechaniker werden. Am liebsten sitze ich nämlich auf dem Traktor. Mein Pflegevater hat mich schon früh ans Steuer gelassen, und auf dem Bauernhof habe ich gelernt, mitanzupacken. Nach dem Schnuppern als Landmaschinenmechaniker schnupperte ich bei der Firma Hagedorn AG in Pfäffikon. Offene Gespräche über meine Lebensgeschichte führten dazu, dass ich die Chance meines Lebens bekam. Es wurde mir eine Anlehre als Fahrzeugwart Baumaschinen zugesagt, die ich mit 18 Jahren antreten konnte. Bis dahin wurde ich weiter schulisch gefördert, in Gruppen- und Einzelunterricht.
Nun habe ich in diesem Sommer meine Anlehre erfolgreich abgeschlossen und kann in der Werkstatt der Firma Hagedorn weiter arbeiten. Ich werde weiterhin in die Logopädie gehen. Ich weiss, dass Weiterbildung auch für mich ein Muss ist. Vor einiger Zeit habe ich übrigens in ganz kurzer Zeit die Autoprüfung bestanden. Und meinen zweiten grossen Traum, eines Tages einen Lastwagen zu steuern, gebe ich auch nicht auf.

Ein besonderes Dankeschön
Simon Kälin und seine Pflegeeltern bedanken sich bei allen Mitarbeitern der Firma Hagedorn AG, besonders bei Walter Hüppin, Peter Kohler und Ueli Kälin; bei den Lehrpersonen Annemarie Reich, Karin Pillod, Simone Krieserner, Susanne und Daniel Heitz vom Lernzirkel in Lachen; bei den Gemeinden Altendorf und Reichenburg, bei Andreas Seewer von der IV-Stelle Schwyz; bei der Beiständin Francoise Burkhardt und Vormundin Heidi Gloor; bei der IG Familienplätze Kanton Schwyz; bei Agnes Dobler, ehemalige Stiftungsrätin der Stiftung Grünau, Richterswil; Simon Kälin bedankt sich auch bei seinen Pflegeeltern Kari Fleischmann und Helena Marty, bei Petra und Philiph, „die mich wie einen Bruder aufgenommen haben“.

Bild/ Aufgezeichnet Johanna Mächler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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