Pressemitteilung: Zehn Liter pro Tag müssen es sein

BAU_PRAXIS vom 09.07.2010

Die Stimme aus dem Autoradio meldet eine Temperatur von 26 Grad Celsius. Es ist Ende Juni, und nach einigen Tagen mit wolkenverhangenem Himmel strahlt endlich wieder die Sonne von einem stahlblauen Himmel. In der Linthebene zwischen Reichenburg SZ und Weesen SG schlängelt sich der Verkehr auf verengten Fahrspuren Richtung Chur und Zürich. Der Grund dafür ist die Sanierung eines rund zehn Kilometer langen Stücks der Nationalstrasse A3/68 im Auftrag des Bundesamtes für Strassen. 2009 wurde eine Hälfte der Autobahn instand gestellt, zwischen April und Herbst 2010 folgen nun die Arbeiten an der zweiten Hälfte. Drei Einbaufertiger der Hersteller Vögele und Demag rattern nebeneinander um eine Maschinenlänge versetzt Richtung Ausfahrt Bilten. Sie bauen 160 Grad heissen, schwarzen Asphalt ein, der von Lastwagen pausenlos angeliefert und in die Behälter der langsam rollenden Maschinen gekippt wird. Vier Walzen folgen dem Tross in kurzem Abstand und verdichten den dampfenden Untergrund zu einer harten Tragschicht.

 

 

Auf dem rüttelnden Rost

 

Auf dem mittleren Einbaufertiger arbeitet Polier Tobias Keller. Am hinteren linken Eck der Maschine wacht er darüber, dass der Asphalt nahtlos, eben und in der korrekten Höhe auf der gesamten Fahrbahnbreite aufgebracht wird. Er hat einen Arbeitsplatz, um den ihn wohl kein «Bürogummi » beneiden würde: Keller steht zehn Stunden pro Tag auf einem Metallrost, der mit der dahinrumpelnden Raupenmaschine vibriert. Ab und zu steigt er mit einer Wasserwaage ab, um den Belag zu kontrollieren. Pausen machen er und die anderen Strassenbauer auch zum Essen und Trinken nicht. Das gäbe Nähte und Unebenheiten im Strassenbelag, ausserdem wollen die Chauffeure der Asphalt-Transporter ihre Fracht loswerden, bevor sie erkaltet. Das Mittagessen wird per Feldkantine angeliefert und während der Arbeit gegessen, das Wasser fassen sie aus strategisch auf den Maschinen platzierten Kühlboxen. Der heisse Asphalt aus den Einbaufertigern zusammen mit der Sonne erhitzt die Umgebungsluft auf bis zu 70 Grad. Wie in einer Sauna fliesst nach wenigen Minuten der Schweiss. Die Motoren sind so laut, dass man sich nur mit Zurufen unterhalten kann, weicher Asphalt klebt an den Schuhen, und der Geruch von Teer liegt durchdringend in der Luft. Tobias Keller verrichtet diesen Knochenjob scheinbar ungerührt. Mit Strohhut, Sonnenbrille, Sonnencreme, kurzen Hosen und einer Leuchtweste über dem blossen Oberkörper ausgerüstet würde der Ferienstimmung verbreiten, wenn der unwirtliche Arbeitsplatz nicht wäre. Wenn nach zehn Stunden Feierabend ist, dann macht aber auch Tobias Keller keine grossen Sprünge mehr. Er geht nach Hause und ruht sich aus. Damit der Strassenbauer den ganzen Tag durchhält, folgt er strikten Regeln. Neben dem erwähnten Sonnenschutz heisst das für ihn vor allem viel trinken. «Zehn Liter Wasser pro Tag müssen es sein, sonst hat man am Abend Kopfweh. „Sagts, greift sich eine halbvolle PET-Flasche aus der Kühlbox und leert sie mit wenigen Zügen. Tobias Keller wurde auf Umwegen zum Polier: Nach einer Lehre als Baumaschinenmechaniker war er als Maschinist, Chauffeur und Bauarbeiter tätig, bevor er vor zwei Jahren zum Polier aufstieg. Seit 15 Jahren ist er beim Strassen- und Tiefbauunternehmen Hagedorn. «Im Strassenbau zu arbeiten fasziniert mich. Am Schluss jeden Tages sieht man, was man geleistet hat.» Gegenwärtig sind das 1000 bis 1200 Meter Tragschicht pro Tag. «Bei diesem Beruf bin ich immer draussen, arbeite unter offenem Himmel. Das ist mir wichtig», so Keller. Als Polier überwacht er nicht nur den Einbaufertiger, sondern bestellt das Belagsmaterial für jeden Tag und organisiert die Belagseinbringung.

 

 

Zehn Kilometer auf der Linthebene  

 

Eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus Hagedorn AG, Oberholzer AG, Bernet Bau AG, Locher G sowie Weleco AG führt die 75 Millionen Franken teure Sanierung der A3/68 Bilten-Weesen aus. Damit die Arbeiten innerhalb der geplanten zwei Jahre abgeschlossen werden, dafür trägt Chefbauführer Josef Schwendeler von der Hagedorn AG Mitverantwortung. Das Bundesamt für Strassen lässt den bestehenden Belag erneuern und mit einem neuen, lärmarmen Deckbelag versehen. Die fertige Strasse wird aus drei Schichten bestehen: zwei Tragschichten, je neun Zentimeter stark, versiegelt mit dem feinen, drei Zentimeter dünnen Deckbelag, auf dem der Strassenverkehr fährt. «Gefühlsmässig glaubt der Autofahrer am Deckbelag zu spüren, ob gut gearbeitet wurde. Aber damit dies gelingt, müssen auch die Unterlagen eben sein», erklärt Schwendeler. Gesamt werden 75 000 Tonnen Trag- und Bindeschicht sowie 20 000 Tonnen Deckschicht eingebracht. «An Spitzentagen werden 150 Lastwagenladungen Material für die Einbaufertiger angeführt», so der Chefbauführer weiter. Vor der Anlieferung wurden im Belagswerk Bitumen und Kies gemischt, Bindemittel beigegeben und das Ganze auf die richtige Temperatur gebracht.0

 

Impressum | Sitemap | Extranet | Design and Programming by Cubera Solutions GmbH